Spätes Frühjahr 2021

Viele Karpfenangler, mit denen ich aktuell Gespräche führe, berichten mir von ähnlichen Situationen. Es geht um das Frühjahr ohne Frühling. Laut den Wetter-Experten ist das Besondere in diesem Jahr, dass zwei aufeinanderfolgende Monate sehr kühl ausgefallen sind. Die Durchschnittstemperatur von Anfang April bis zum 23. Mai war zuletzt im Jahr 1991 so niedrig. Und von 1991 aus muss man noch einmal 50 Jahre zurückschauen, um eine kältere Durchschnittstemperatur für diesen Zeitraum zu finden. Alleine diese Fakten zeigen schon, warum viele von uns sich den Saisonstart mit Blanks um die Ohren geschlagen haben. Als wäre das Ungewöhnlich kalte Frühjahr nicht schon schlimm genug, so kommen weitere Dinge, wie massiv überlaufene Gewässer und Corona Bestimmungen hinzu, die uns das Angeln madig machen. Wenn man sich Freitag nicht bereits Urlaub genommen hat, konnte man bei der Platzwahl den Resteesser spielen. Die Folge war ein Platz direkt am Wegrand, wo den ganzen Tag die Völkerwanderung durchmarschiert. Dank Corona ist ja selbst der abgelegenste Waldsee zum beliebten Ausflugsziel geworden .

Jammern und klagen hilft bekanntlich nicht die Situation zu lösen. Nach dem ich mir ein paar Blanks im April eingefahren hatte, machte ich mir mal ein paar Gedanken über die weitere Taktik. Ihr kennt das bestimmt, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und man fischt jedes Frühjahr den gleichen Stiefel, denn normal funktioniert es auch super. Normal haben wir aber auch im April um die 14° Wasser und kratzen nicht erst an der 10° Marke. Die Fische waren einfach nicht aktiv und standen weiter in ihren Burgen. Die Stellen im Freiwasser waren völlig unberührte Natur. Lange Rede, kurzer Sinn, das Futter muss direkt zum Fisch, denn die Burschen schwimmen die sonst so guten Frühjahrsspots einfach noch nicht an. Dass die Fische keine Nahrung aufnehmen ist ein Trugschluss, sie fressen nur einfach direkt an ihrer Holding Area“, was im späteren Verlauf des Jahres nicht mehr unbedingt so ist. Somit fütterte ich also genau an diesen Standplätzen etwas vor. Das Futter streute ich direkt in die Büsche und das Totholz parallel zum Uferstreifen ab. Die Wassertiefe lag bei max. 1m an dem das Futter eingebracht wurde. Die Fische standen zu dieser Zeit zum Teil auf 50cm direkt am Ufer. Da die schuppigen Kollegen ihr Köpfchen jedoch ab und an auch mal bei sonnigem Wetter ein paar Meter aus dem Busch strecken, war der Plan sie mit visuellen Ködern zu überzeugen. Karpfen sind neugierig und das können wir uns perfekt zu nutzen machen. Das Endtackle sollte man beim Angeln vor dem Holz immer eine Spur stabiler wählen, denn die Fische ziehen nach dem Anbiss nie freiwillig ins offene Wasser! Bitte wählt das Vorfach immer als schwächstes Glied. Es macht keinen Sinn ein 45lb Vorfach zu verwenden, wenn die Haupt– oder Schlagschnur geringere Tragkräfte hat. Wenn nämlich beim Gegenhalten etwas knallen sollte, ist es wichtig, dass der Fisch nicht mit meterlanger Schnur durch den See schwimmt, sondern wenn Überhaupt nur mit ein kurzes Stück Vorfach. Ich setzte bei Pop Ups auf das altbewährte Multirig, denn hier kann man stumpf gewordene Haken mit einem Handgriff austauschen. Dank unserer Plastic Bait Screw´s mit Rig Ring lässt sich auch der Pop Up blitzschnell aufschrauben und findet auch beim Werfen auf große Distanz sicheren Halt am Rig. Beim Angeln selbst verteilte ich lediglich eine kleine Schaufel hochattraktives Futter um die Montage. Das Futter sollte dabei alle Geschmäcker ansprechen und auch eine gute Wolkenbildung für den weiteren Reiz bilden. Ich setzte bei den Boilies auf eine Mischung von Fischmehl und Kohlenhydrate. Feed Grade Fruit, Red Bloodworm, sowie White Nut und Fruity Zing sind meine erste Wahl. Die Baits kommen in gemischten Größen und ausschließlich halbiert zum Einsatz, denn durch das Halbieren wird die Fläche der Kugeln größer und die Attraktoren können schneller ins Wasser abgegeben werden. Zusätzlich benetze ich diese halben Boilies mit einem guten Schuss Liquid und vermische das Ganze im Anschluss mit dem Fruity Cream Stickmix. Der hochlösliche Stickmix sorgt für die Wolkenbildung. Vor dem Angeln wird die Mischung mit schön fermentierten Tigernüssen noch verfeinert.

Die Tigernüsse habe ich nach dem kochen mit unserem Enzymliquid dem „Ferment-Beschleuniger“ übergossen. Dies spart zum einen Zeit beim fermentieren und wertet die Erdmandeln auch zusätzlich mit essentiellen Aminosäuren auf. Beim Fressen der Nüsse entstehen Geräusche durch das zermahlen im Schlund der Karpfen. Unter Wasser werden diese Knackgeräusche über Schallwellen gut 4 Mal so schnell wie an der Luft verbreitet. Durch diese Fressgeräusche können weitere Karpfen auf den Platz gelockt werden, da in der Natur ständiger Futterneid herrscht. Diese Taktik hat mir wirklich das Frühjahr gerettet und ich konnte trotz extrem starkem Angeldruck und erdenklich schlechten Wetterbedingungen  kurz vor der Laichzeit ein paar wirklich schöne Fische zum Anbiss aus ihren Burgen locken und auch sicher landen. In diesem Sinne wünsche ich allen eine fischreiche Saison, die jetzt nach der Laichzeit erst richtig beginnt!

Ich wünsche Euch eine geile Zeit am Wasser – und vor allem viel Erfolg!

Sebi Roth