Tipps & Tricks zum Karpfenangeln – mit geflochtener Hauptschnur

Hallo liebe Blog-Leserinnen und Leser,

ich möchte Euch heute ein paar Tipps & Tricks in Sachen geflochtener Hauptschnur zum Karpfenangeln näher bringen. Seit einiger Zeit haben wir selbst im Programm unsere Darklight-Line und Fluolight-Line – made in Germany! Beide Schnüre haben die selben Eigenschaften, nämlich 0,20mm  im Durchmesser (8x Rundgeflochten) und eine Tragkraft von 18,9kg – diese unterscheiden sich lediglich in der grauen und orangenen Farbe. Die spezielle Teflonbeschichtung auf beiden Schnüren sorgt für eine hohe Lebensdauer und einer extremen Abriebfestigkeit.

 width=

Doch warum unbedingt geflochtene Hauptschnur zum Karpfenangeln? Der Vorteil dieser Art von Schnur liegt ganz klar auf der Hand – nämlich die geringe Dehnung, weshalb Sie sich zum Distanzangeln hervorragend eignet! Ein Beispiel gefällig? Es war in den Jahren 2004-2008, als ich mit dem Karpfenangeln begonnen habe. Hier zog ich wie gewöhnlich monofile Hauptschnur in den Stärken von 0,35mm bis 0,45mm auf. Als dann irgendwann die Zeit kam, in der ich mit dem Boot meine Ruten auslegte – es handelte sich dabei um Distanzen von 130m aufwärts, nahm die Wahrnehmung der Bissanzeige rapide ab. Oftmals erinnere ich mich noch daran, dass ich von einzelnen Pieptönen des Bissanzeigers geweckt wurde – na klar, Schnurschwimmer, was sonst? An die extreme Dehnung, die auf diese Distanz herrscht, dachte ich damals noch nicht! Ein Versuch, in dem mein Kollege die Montage mit dem Boot rauszog und ich am Pod bei den Ruten stand, zeigte, dass erst nach 15-20m in andere Richtungen allmählich ein Run entsteht. Das bedeutete also, dass der Fisch schon gute 20m Strecke zurückgelegt hat – ehe wir einen Biss wahrnehmen! Dies brachte mich zum nachdenken, denn schließlich waren all unsere Gewässer, die ich bis dato befischt hatte, randvoll mit Hindernissen. So kam ich zu dem Entschluss, nach einigen Recherchen – eine geflochtene Hauptschnur zum Karpfenangeln zu verwenden! Ein weiterer Versuch zeigte, dass jede kleinste Bewegung der Schnur am Bissanzeiger übertragen wurde und somit auch Distanzen von über 150m kein Problem mehr sind!

Die geflochtene Hauptschnur hat für mich zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist es die geringe Dehnung, weshalb die Bissanzeige erheblich verbessert wird. Zum anderen aber auch, dass geflochtene Hauptschnur eine deutlich höhere Lebenserwartung hat, als monofile Hauptschnur. Auf meinen alten Big Baitrunner Longcast habe ich zum Beispiel immer noch unsere erste Darklight-Line aufgespult – und das liegt nun schon drei Jahre zurück! Monofile Hauptschnur musste ich im Jahr mindestens zwei mal wechseln, da der Drall unheimlich hoch war und ein normales Fischen kaum mehr möglich gewesen ist. So macht sich auch der hohe Preis bezahlt und man muss nicht jedes Jahr seine Schnur wechseln!

Für all diejenigen, die sich auch einmal geflochtene Schnur auf die Rolle aufspulen wollen, habe ich nun nachfolgend ein paar Tipps & Tricks parat, wie Ihr auch noch nach Jahren Spaß an der Schnur habt.

Vor kurzem holte ich meine alten Daiwa SS3000 aus dem Schrank, um meine neuen 10ft Ruten damit zu bestücken. Diese wollte ich unbedingt mit der Darklight-Line bespulen. Zum bespulen benötigt ihr noch eine monofile Schnur, wie etwa die Oblivion von Kryston in 0,35mm.

 width=

Warum jetzt doch mit monofiler Schnur? Ich erzähle Euch warum! Als ich damals anfing, mit geflochtener Schnur zu fischen, hatte ich nach zwei Jahren ab und zu im Drill Probleme mit meinen Rollen. Ich dachte, dass mit der Bremse der Rolle etwas nicht stimmte, da die Fische unaufhörlich Schnur von der Rolle nehmen konnten – obwohl die Bremse knallhart festgedreht war. Irgendwann bemerkte ich, dass sich der Schnurkern auf der Rolle drehte und nicht die Spule selbst. Das ist auch irgendwie logisch, da die geflochtene Schnur auf dem Metallkern gut rutschen kann! Danach beklebte ich die Spulen mit etwas doppelseitigem Klebeband. Doch das Problem hatte ich dann nach ca. zwei Jahren wieder! Ich kann mir nur erklären, dass bei Wind und Wetter – insbesondere im Sommer bei heißen Temperaturen, dass sich das doppelseitige Klebeband langsam auflöst und die geflochtene Schnur dadurch keinen Halt mehr hatte. Von da an spulte ich ca. 20-30m monofile Schnur unter, damit sich die geflochtene Schnur schön “reinschneiden” kann und das oben genannten Problem mit dem Rutschen auf der Spule verhindert.

 width=

Danach verbindet Ihr die monofile “Unterspul”-Schnur mit der geflochtenen Schnur.

 width=

Und dann aufspulen… So schneidet sich die geflochtene Schnur schön in den monofilen Spulenkern und verhindert ein ungewolltes Rutschen – auch Jahre später nicht!

 width=

Wenn Ihr die Schnur alleine aufspult, steckt die Spule am besten in einen Bankstick. So könnt ihr die Schnur unter Druck auf die Angelrolle aufspulen! Wenn ihr mit den Fingern auf die aufgespulte Schnur drückt und der Schnurkern beim zusammendrücken hart ist – ist es perfekt! Lässt sich der Kern zusammendrücken, solltet Ihr die Schnur mit mehr Druck aufspulen!

 width=

Der Clou unserer Darklight-Line und Fluolight-Line: Nach 300m kommt eine Markierung, so wisst ihr, dass die Hälfte schon auf Eurer Rolle ist. So könnt ihr mit unserer 600m Einheit auch zwei Angelrollen bespulen. Ich persönlich spule pro Rolle immer 600m auf! So hat man auch noch genügend Reserven auf der Rolle, wenn´s mal weiter rausgeht als geplant!

 width=

Fast geschafft – noch 300m bis zum Ziel 🙂

 width=

Nur noch ein paar Meter – dann ist die erste SS3000 voll!

 width=

Zu guter letzt kommt noch eine monofile Schlagschnur von 0,60mm auf die Rolle! Ich persönlich verwende nur noch Varianten in 0,60mm oder 0,70mm. Mit diesen Durchmessern ist man auf der Sicheren Seite, wenn´s um Abriebfestigkeit geht! Beide Varianten haben aber auch noch genug Dehnung für die Endphase des Drills. Nur mit der geflochtenen Schnur ist das Risiko eines Ausschlitzens sehr hoch! Zudem könnte sich die dünne geflochtene Schnur auch in die Flossen der Fische einschneiden – das wollen wir damit unbedingt auch verhindern!

 width=

Mittels Mahinknoten wird die Schlagschnur angeknotet! Warum unbedingt der Mahinknoten und nicht der Allbrigt-Knoten? Ganz einfach, nach etlichen Jahren rumexperimentieren hat sich dieser Knoten – vor allem auch beim Werfen, ganz klar herauskristallisiert. So kann man auch mal problemlos bis zu hundert Metern werfen – trotz der starken Verbindung mit einer 0,60mm Schnur!

Hier findet Ihr eine kleine Anleitung, wie der Mahinknoten gebunden wird. Zuerst wird ein “normaler” Knoten mit der Schlagschnur gelegt und die geflochtene Schnur durchgeführt.

 width=

Danach wird die geflochtene Schnur acht mal um die Schlagschnur gewickelt.

 width=

Nun wird die geflochtene Schnur drei mal zurück gewickelt und zu guter letzt wieder durch das offen stehende Ende der Schlagschnur geführt. Nun das ganze etwas befeuchten und zusammenziehen.

 width=

So sieht der Knoten am Ende aus, nachdem alle überstehenden Enden mit der Schere abgeschnitten wurden. Der beste Knoten, der sich mit der Kombination geflochtener Hauptschnur + monofiler Schlagschnur auch auf weite Distanzen werfen lässt!

 width=

Circa 20-30m Schlagschnur sind ausreichend – nun kann die Montage endlich an den Spot gelegt werden!

 width=

Nun liegen die Ruten auf ihren Spots – das Warten auf die ganz Großen beginnt!

 width=

Hier sieht man, dass eine geflochtene Schnur auf Karpfen wirklich Sinn macht. Dieser Spot, etwas abseits von den Büschen der Insel (eine Baumwurzel – zwischen den beiden Ruten) befindet sich auf ca. 140m Entfernung. Dieses Gewässer beinhaltet einige Hindernisse in Form von dicken Baumwurzeln und großen Steinen, die während des Sandabbaus ans Tageslicht kamen. Wenn man dort mit monofiler Hauptschnur angeln würde, würden wir den Biss erst mitbekommen, wenn der Fisch schon in der Wurzel hängt oder die Schnur abreist… Egal in welcher Situation – auch wenn man nur mal vor den Füßen angelt – ich fische keine andere Kombination mehr…!

 width=

Zudem sind unsere beiden Schnüre keine sinkenden Schnüre – sondern haben ein neutrales Schhwimmverhalten – das bedeutet, wenn man z.B. mit eingetauchter Rutenspitze ins Wasser – sagen wir mal ca. 30cm – zurück zum Rod Pod fährt – dann bleibt diese auch auf dieser Wassertiefe und schwimmt nicht auf. Das kommt besonders an Seen, an denen reger Sportbootbetrieb herrscht, zugute. Eine sinkende geflochtene Schnur, in diesem Durchmesser, wäre an Gewässern mit viel Hindernissen tödlich! Da kann die Schnur noch so gut sein – werden scharfe Dreikantmuscheln einen besseren Job verrichten und die Schnur kappen!!

 width=

Unser Fluolight-Line besitzt exakt die selben Eigenschaften wie die Darklight-Line – diese unterscheiden sich nur in der Farbe! Auch hier haben wir nach 300m einen Aufkleber angebracht, sodass man zwei Angelrollen mit einer 600m Spule aufspulen kann.

 width=

An Gewässern, an denen die Ruten häufig mit dem Boot abgelegt werden, eignet sich die orangene Schnur sehr gut! Ab und zu kommt es ja doch vor, dass man Nachts bei Nebel und starkem Wellengang in seine eigene Ruten fährt… Nichts ist ärgerlicher als das! Durch die Farbe erkennt man, wie die Schnüre auf dem Pod oder Banksticks verlaufen und kann dies dann umfahren! Auch bei einem Drill vom Ufer oder vom Boot aus, erkennt man jede Richtung, die der Fisch einschlägt und kann dementsprechend dagegen halten.

Bild vom Boot aus gemacht Nachts auf die Ruten gerichtet

Auch am Fluss bei hochsommerlichen Temperaturen, wenn die Sportbootfahrer wieder vermehrt unterwegs sind, ist die Schnur ideal! Mit der orangenen Farbe zeigen wir den Bootfahrern – Achtung, hier angelt jemand!

Bild am Fluss hochgestellte Ruten mit orangener Schnur tagsüber

Oft bekommen wir die Frage, ob die orangene Schnur eine Scheuchwirkung auf Karpfen hat. Dies können wir definitiv verneinen, denn schließlich haben wir noch 20-30m Schlagschnur, z.B. unsere X-Shockleader in 0,60mm oder 0,70mm vorgeschalten. So ist auf den letzten Metern zum Haken alles gut “getarnt” und auch jeder noch so scheue Fisch sucht den Futterplatz auf.

Bild Fluolight Line auf dem Pod

Ich hoffe, das wir Euch mit diesem Bericht eine kleine Hilfestellung geben konnten und den ein oder anderen vielleicht davon überzeugt haben, einmal geflochtene Schnüre zum Karpfenangeln auszuprobieren!

Bei Fragen könnt Ihr uns gerne kontaktieren!

Viel Spaß beim ausprobieren und viel Erfolg am Wasser!

Euer Philipp
P.R. Baits & Rods