Von Bergen und Glück

Es war Samstag gegen 1Uhr in der Nacht, als das Navi startete – 1120km. Wir waren heiß!

Mein Bus bis unters Dach beladen, das erste Energy geöffnet. Für meinen Kumpel Raffael und mich ging die Reise diesmal in den tiefsten Süden. Der von uns anvisierte Stausee in den Pyrenäen war natürlich hart frequentiert. Es ist Urlaubszeit in Frankreich und demnach etliche Schnüre im Wasser. Dies sollte uns allerdings nicht davon abhalten, etliche Kilometer über Stock und Stein zu laufen, um die von uns anvisierte Stelle zu fuß noch einmal genaustens unter die Lupe zu nehmen. Trotz der langen Anfahrt und unserer kleinen Gebirgswanderung in der heißen Nachmittagssonne, waren wir hungrig! Es galt den ersten Karpfen aus diesem noch sehr jungen Stausee zu kurbeln.

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Schon in der ersten Nacht sollte sich mein saftig präperierter Spot im tieferen Wasser als fängig erweisen. Ich vertraute auf mein Bauchgefühl und verteilte auf einem Tennisballfeld großen Areal so einiges an Kugeln für unsere Rüssler. Ein gutes Stück abseits davon präsentierte ich mein Grobe-Kelle-Rig mit einem 28mm Red Bloodworm Big Ball Hookbait in etwa 15Meter Wassertiefe.

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Wie so oft bei dieser Taktik, zog es nach nur wenigen Stunden schon an der Leine und siehe da: mein erster Pyrenäenkarpfen aus diesem Wasser !

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Keep it Simple – mein Grobe-Kelle-Rig!

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Als die Karpfen sich so langsam auf unser Futter eingeschossen hatten und es auch bei Raffael ordentlich anlief, machte sich das dieses angenehme Gefühl breit: Wir sind endlich angekommen! Während Raffael mit wenig Futter im tiefen Wasser die Fische regelrecht auf alle Ruten ,,abpflückte”, erhoffte ich mir durch meinen großen Futterplatz eine höhere Chance auf einen der besseren Fische. Diversen Erfahrungen von Freunden und Bekannten, wussten wir, dass Massenfänge hier durchaus öfters vorkommen. Eines sollte jedenfalls feststehen: Am Futter sollte es nicht liegen, denn davon hatten wir genug dabei 😉

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Ein paar Tage und circa 30 mittelgroße Karpfen später, entschieden wir am späten Nachmittag: Wir wollten beide noch den einen Ausnahmefisch für unseren Urlaub. Hierzu entschlossen wir unsere Zelte noch am selben Abend abzubrechen. Die Reise ging 700km weiter, von den Pyrenäen in die französischen Alpen. Mit Augenringen von einer kilometerreichen Nacht, erwartete uns im ersten Licht des Tages, strahlend blaues Wasser mit einzigartigen Kulisse. Nur wenige Minuten nach unserer Ankunft zeigte sich auf der von uns ausgesuchten Stelle sofort ein Fisch. Da ich zuvor schon alle Ruten mit neuen Rigs und Ködern bestückt hatte, zögerte ich nicht lange und warf den vor uns rollenden Fisch sofort an.Nach dieser nervenzermürbenden Autofahrt entschied ich mich, nur noch eine weitere Leine ins feuchte Nass zu befördern und schlummerte ein paar Minuten in meinem Moonchair vor mich hin! Nach gefühlten 10Minuten Tiefschlaf, der erste Volleinschlag!
Wenige Sekunden später schlitzte mein erster Pyrenäenkarpfen. Stillschweigend und gefrustet, beköderte ich ein neues Rig und die Rute fand erneut den Weg zum Spot, verhoffend, dass ich erneut einen Take bekomme. Tatsächlich lief die besagte Rute nur wenige Minuten erneut und zauberte diesen prächtigen Vierziger aus pornös blauem Gebirgswasser!

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Wir freuten uns über diesen Start einer wahren Ausnahmesession, welche noch lange nicht ihr Ende fand.

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Nachdem ich nach diesem Fisch sowieso nicht mehr Schlafen konnte, bereitete ich meine dritte Rute vor und verteilte mit dem Wurfrohr ein paar Kilo Feed Grade Fish auf einer größeren Fläche. Während Raffael sein Glück mit absenkten Schnüren an der ersten Uferkante versuchte, setzte ich meine Hoffnung auf ein erhöhtes Areal im Badebereich. Am späteren Nachmittag in der Mittagssonne bei über 40Grad bekam Raffael plötzlich nen Doppelrun. Nach diesem Ereignis wussten wir es einfach: Die Fische waren da!

Hier einer der Fische vom Doppelrun, 24kg Power auf fast 1,20Meter Länge – Kann man mal machen!

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Da an diesem hart frequentierten Szenepool nur das Tagangeln erlaubt ist, wollten wir uns etwas von der Masse abheben. Wir benutzen mit Bedacht weder Boot, Echolot noch E-Motor! Meine Rute am eigenen Ufer platziert, befütterte ich mit einem Mix aus gecrushten Boilies und dem Lehm den ich aus den Pyrenäen mitgeholt hatte! Ich formte daraus einige Ballen und verfeinerte diese mit etwas GLM Liquid. Diese sehr eigene Vorhergehensweise bescherte mitten im Badebetrieb diesen Ausnahmefisch, welcher nur knapp die 20kg Marke verfehlte!

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Nachdem wir wirklich einige Fische gefangen hatten, grinste Raffael nur und sagte: der Dicke fehlt aber noch, es ist noch alles möglich. Total überwältigt und einfach zufrieden schüttelte ich nur den Kopf und sagte zu dieser Aussage einfach garnichts mehr! Um die Abendstunden nochmal so produktiv wie möglich zu nutzen, wechselten wir nochmal die Rigs und legten einiges an Baits nach, um die Fische auf dem Futter zu halten. In den letzten Angelminuten sollte es passieren,….Nach brutalen Drill mit zitternden Knien konnte ich eine unfassbare Dampfwalze aus glasklaren Wassser abkeschern und flippte komplett aus! Der größte Fisch des Trips und zugleich mein neuer Personal Best mit über 28kg!

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Während ich diese Zeilen tippe, kann ich zu dieser gewichtigen Ausnahmesession mit mehr als 50 gefangenen Karpfen rückblickend sagen, dass wir das Beste aus den gegebenen Bedingungen geholt haben und meine Köder genau so wie die dauerhaft gute Laune im Camp einiges dazu beigetragen haben.

Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit am Wasser und bis demnächst

Johannes Weber
Team P.R. Baits