Von Liebe und Hass – oder doch nur vom Angeln?

Teil 1

Willkommen im Jahr 2020. Ein Jahr, welches einer Achterbahnfahrt gleicht, die nie zu enden scheint. Corona bedingt schob ich meinen kompletten Urlaub in die zweite Jahreshälfte. Endlich sollte das eine oder andere Großprojekt realisiert werden. Mitte September war es dann soweit. Perfekt vorbereitet machte ich mich, ausgestattet mit 150 Kilo Boilies, bestehend aus den neuen Prototypen von P.R. Baits und selbst gerollten Fischmehlkugeln (P.R. Baits Einzelzutaten), und Strom für eine ganze Kompanie auf die achtstündige Autofahrt. Zudem hatte ich noch Lebensmittel für drei Wochen an Bord, da ich den See nicht verlassen wollte. Kurz vor Sonnenuntergang verkündete dann das Navi das nahende Ziel. Boah, war ich in diesem Moment angespannt. Der erste Blick auf diesen Ozean ist immer etwas ganz Besonderes und gleichzeitig schießen einem die üblichen tausend Gedanken durch den Kopf. Wie hoch ist wohl der Wasserstand? Wie viele Angler sind am See? Sind meine favorisierten Plätze hoffentlich frei? Fragen über Fragen, welche dir in kürzester Zeit den Kopf zerbrechen.

Doch mit drei zur Verfügung stehenden Wochen glühte der Funken Hoffnung, endlich nicht mit einem Blank von diesem nordfranzösischen Riesen nach Hause zu fahren. Als der Bulli im Hafen die Rampe zur Slippstelle hinunterrollte, wurde mir schnell klar, dass hier doch irgendetwas nicht stimmen konnte. Ist die Rampe nicht normalerweise doppelt so lang bis zum Wasser?! Von der Vorfreude geblendet realisierte ich erst nach und nach, wie hoch der Wasserstand tatsächlich war. Das kann doch nicht deren Ernst sein! Hatte da einer vergessen, den Stöpsel zu ziehen? Ich wollte Schlamm, Sturm und Wellen… Freiheit eben. Was ich jedenfalls zu Gesicht bekam, war eher englischer Rasen und ein buntes Treiben von Urlaubern, die – wie ich -einen kurzen Ausstieg aus dieser schwierigen Zeit suchten.

Mir war schon bewusst, dass der Wasserstand höher sein musste als im Oktober, aber mit ca. 400 Meter mehr Ufer hatte ich dann doch nicht gerechnet. Ich schätzte die Krautkante auf ca. 700-800 Meter. Für mein Vorhaben, vom Ufer aus zu fischen, rechnete ich mir daher keine reellen Chancen aus. Es waren auch weit und breit keine anderen Angler zu sehen. Schon etwas sehr niedergeschlagen suchte ich mir zum Übernachten einen Parkplatz direkt am See. Von dort konnte ich wenigstens diese beeindruckende Aussicht genießen. Es fühlte sich trotzdem toll an, endlich wieder hier zu sein.

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Dann vertagen wir das Projekt eben auf 2021.

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Am nächsten Morgen machte ich mir dann Gedanken, wo und wie die Reise weitergehen sollte. Denn wie es sich für ein ordentliches Frankreichabenteuer gehört, hatte ich mir natürlich im Vorfeld kein Backup überlegt!

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Nach einem langen Telefonat mit meinem Kumpel Pascal klapperte ich erstmal die nahegelegenen Szenepools ab. Am ersten zählte ich glatt 14 Zelte und einen Pavillon. Absolut nicht mein Style, sich da irgendwo dazwischen hinein zu pflanzen. Die anderen Seen in der Umgebung spiegelten ein ähnliches Bild. Irgendwie machte sich langsam etwas Frust bemerkbar. Angenervt macht ich es mir auf einer Staumauer bequem, um mich zu sammeln und um in Ruhe nachdenken zu können. Ich ging meine ganzen Optionen durch. Irgendwann machte es Klick und eines meiner Hassgewässer schob sich in den Vordergrund.

Jeder kennt das wohl. Manche Gewässer liegen einem mehr, die anderen eben weniger. Dann gibt es aber noch DIE, die einen scheinbar abgrundtief hassen. Trotzdem bin ich dort sehr, sehr gerne. Der See strahlt einfach eine einzigartige Aura auf mich aus. Aber nun ja, was soll ich sagen. Einer meiner großen Träume, einen alten Riesen aus diesem See zu fangen, wurde mir bisher verwehrt.

Klartext: Er schellte mich regelmäßig ab! Sch… drauf, wird schon mit drei Wochen Zeit klappen. Dann sitzen wir den Dicken einfach aus. Los ging es die 300 km hoch Richtung deutsch-französischer Grenze.

Der Anblick des Sees und mit der Nase im Wind stellte sich schnell ein Gefühl von Zufriedenheit und Freiheit ein. Genau das, was ich suchte, fand ich hier in kurze Zeit. Der anvisierte Bereich, welchen ich fünf Wochen zuvor schon mit mittelmäßigem Erfolg befischt hatte, war frei und dort wollte ich auch starten.

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Die Ruten strategisch gut in unterschiedlichen Entfernungen verteilt, ging es dann auch endlich in die erste Nacht mit nassen Schnüren. Für meinen drei Wochen Trip gab Philipp mir seine Musterbatterien in 50Ah und 100Ah (24V!) mit. Da ich seit Jahren einen Haswing Motor mit 24V im Einsatz habe, war dies natürlich der perfekte Test! Ich war auf jeden Fall mit den Teilen top zufrieden 🙂

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Nun ja, ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich dem Leser die kommenden Tage spannend und erwartungsvoll beschreiben soll.

Aber vielleicht hilft folgende Anekdote:

Stellt euch vor, ihr seid in einer Bar. An der Bar steht die Frau eurer Träume. Mit ihrer sportlich-schlanken Figur im schwarzen Kleid zieht sie die Blicke der ganzen männlichen Belegschaft auf sich. Leicht verrucht zieht sie mit ihren vollen roten Lippen am Strohhalm ihres Gin Tonics. Die kastanienbraunen Augen ziehen euch in ihren Bann. Als sich endlich euer Blick trifft, wehen ihre langen, leicht gelockten Haare, während sie sich mit einem angewiderten Blick von euch abwendet.

Aufs Angeln übertragen heißt ungefähr Folgendes: Ich kassierte die nächste Backpfeife und blankte die ersten drei Tage volle Breitseite.

Es lag auf der Hand, dass sich die Fische nicht mehr in diesem Areal des Sees aufhielten. Ich musste denn Platz wechseln.

Denn wie ihr wisst, bringt moven jedes Mal neue Motivation!

Mein Tackle auf dem P.R. Boat 320 – das ideale Boot für lange Touren!

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Fortsetzung folgt….

Christian Weinig